Rache ist Stockfisch

(ein Abenteuer von Gudrun Schürer)

Im Nordwesten Aventuriens liegt Thorwal, meine Heimat. Wir sind ein Seefahrervolk, von den Einwohnern Aventuriens geliebt und gehasst. Wir sind rau, wie das Wetter und die Landschaft an unseren Küsten, freiheitsliebend und wenn wir jemanden Freundschaft schwören, dann hält diese ein Leben lang an. Manche Aventurierer beschreiben uns einfach nur als rauflustig und trinkfreudig. Aber glaubt mir, das sind wirklich nur Vorurteile. Man nennt uns auch die Kinder Swafnirs, denn der heilige Wal Swafnir ist unser höchster Gott. Thorwal, Prem und Olport sind die größten Städte. Wer in keiner dieser Städte wohnt, lebt mit seiner Sippe in einer Ottajasko zusammen. Das Oberhaupt der Ottajaskos ist der Hetmann oder die Hetfrau. Mehrere Ottajaskos unterstehen einem Jarl, der von den Ottajaskos gewählt wird. Am Land sind wir Fischer und Hirten. Auf See sind wir gefürchtete Plünderer und erfolgreiche Entdecker.

***

Bei einem unserer letzten Abenteuer wurde ich verunstaltet. Auf meinem Oberarm wurde ein Sklavenmal eingebrannt. Ich wollte diesen Makel kaschieren und mir ein Hautbild daraus formen lassen. Doch ein gewöhnlicher Tätowierer kam dafür für mich nicht infrage. Als stolze Thorwalerin sollte dieses Hautbild von einem der Künstler meiner Heimat gestochen werden. Aus diesem Grund reiste ich mit Hagen nach Thorwal und ließ dort mein Sklavenmal zu einer Harfe umgestalten. Ich nutzte die Gelegenheit, um Hagen, meine Heimat zu zeigen. Er war zum ersten Mal in Thorwal. Die raue Art meiner Mitmenschen schüchterte den mutigen Krieger sogar etwas ein. Ich glaube, er war froh, als wir Thorwal mit einer Nachricht an Thurbold Schlangenstecher, den Jarl von Prem, wieder verließen.

Das Reisen war an dem Tag war kein Vergnügen. Es regnete die ganze Zeit über in Strömen. Die Praiosscheibe war schon im Meer versunken. Das Vorwärtskommen war für unsere Pferde auf dem matschigen Küstenpfad nicht einfach. Wir hofften, den nächsten Ort bald zu erreichen, um dort eine trockene Unterkunft für die Nacht zu finden.

Am Himmel konnten wir einen Feuerball sehen, der in den Himmel stieg und dann ins Meer hinab sank. Wir sahen eine kleine Gestalt auf dem höchsten Punkt einer Klippe sehen. Einen Brandpfeil nach dem anderen schoss sie auf ein Boot, das sich immer mehr von der Küste entfernte. Keiner ihrer Pfeile traf.

Als wir näherkamen, erkannten wir ein etwa 12jähriges Mädchen. Als sie uns sah, bat sie um Hilfe: Könnt ihr das Boot noch treffen? Es muss doch brennen, damit die Windstöchter meine Schwester finden und zu Swafnir bringen!

Wir stiegen von unseren Pferden ab. Hagen griff nach dem Bogen: Natürlich helfen wir dir. Wie heißt du, Kleines?

Hagen schoss einen Brandpfeil in die Luft. Im hohen Bogen flog der Pfeil neben das Boot und erlosch im Wasser.

Mein Name ist Swafrieda. Du schießt aber auch nicht besser als ich, antwortete das Mädchen.

Hagen verzog etwas missmutig sein Gesicht und überreichte mir den Bogen: Probiert ihr euer Glück, Janda. Als Thorwalerin könnt ihr das sicher besser als ich.

Ich spannte den Bogen, zielte auf das Boot, dann hob ich den Bogen in die Höhe und ließ die Sehne los. Der brennende Pfeil stieg in den Himmel, senkte sich und hielt auf das Boot zu. Er traf ein Kleidungsbündel und setzte es in Flammen.

Du verabschiedest dich von deiner Schwester, fragte Hagen nach.

Ja, in dem Boot liegt meine Schwester Ulfhilda und ihr kleiner Sohn. Das Boot gehört sozusagen der Familie, antwortete Swafrieda. Dann kramte sie in einem Bündel und holte einen Steinkrug hervor. Sie nahm einen großen Schluck aus dem Krug: Ulfhilda, auf dich und deinen Sohn! Ich werde es ihnen heimzahlen.

Sie reichte uns den Krug. Auch Hagen nahm einen großen Schluck. Dann gab er den Krug an mich weiter. Ich genoss, wie mir das Premer Feuer die Kehle hinunterlief.

Wem willst du was heimzahlen, fragte Hagen. Doch Swafrieda ignorierte seine Frage.

Danke, dass ihr mir geholfen habt. Wenn ihr auf der Suche nach einer Unterkunft seid, braucht ihr nur noch eine halbe Wegstunde weiter reisen. Dann kommt ihr nach Vedvarnheim.

Swafrieda stieg auf ihr Pferd und verschwand.

***

Nach einer halben Stunde kamen wir tatsächlich in einem kleinen Dorf an. Es regnete weiterhin in Strömen. Ich klopfte an die Tür eines Langhauses an. Der Fischer Frikk Jarundson öffnete die Tür und bot uns Reisenden eine Unterkunft für die Nacht an.

Gemeinsam mit seiner Familie speisten wir eine leckere Fischsuppe und konnten uns am Premer Feuer aufwärmen. Natürlich erzählten wir ihm von unserem Treffen mit Swafrieda. Er kannte das Mädchen und wunderte sich, wie sie an das Boot kam. Auch ihre Schwester Ulfhilda kannte er.

Ulfhilda war Köhlerin und lebte gemeinsam mit einem Herumtreiber namens Halgrim bei ihrem Kohlmeiler, der eine Wegstunde landeinwärts liegt. Sie hatte ihr neugeborenes Kind erschlagen und wurde daraufhin von Halgrim getötet. Wir haben sie daraufhin beim Kohlmeiler verscharrt. Eine Kindsmörderin verdient es nicht besser. Swafrieda hat wohl ihre Schwester wieder ausgegraben und in dieses Boot gelegt, berichtete uns Frikk.

Es war doch klar, dass es mit dem Mädchen nicht gut ausgeht, meinte eine schwangere Frau. Das war Lis Svantesdottir, die Frau von Frikks Sohn. Die Niedertracht liegt der Familie im Blut. Immerhin war der Vater der Schwestern ein Walmörder. Da kann nichts Gutes herauskommen.

Was geschah mit Halgrim, wollte Hagen wissen. Habt ihr ihn gefangen genommen? Immerhin hat er jemanden ermordet.

Frikk nahm einen Schluck vom Premer Feuer: Er ist verschwunden. Halgrim ist ein Strolch und Herumtreiber. Aber wer kann ihn verübeln, dass er die Mörderin seines Kindes erschlagen hat? Außerdem ist er schon längst über alle Berge und nicht mehr das Problem unseres Dorfes.

Ich griff nach dem Krug mit dem Premer Feuer und nahm einen kräftigen Zug: Woher wisst ihr, wie die Tat geschehen ist? Hat das jemand von euch beobachtet?

Nein, das hat keiner gesehen, aber das ist doch offensichtlich, antwortete mir Lis.

Wir wechselten das Thema und unterhielten unsere Gastgeber mit Erzählungen unserer Abenteuer. Dazu griff ich auch zu meiner Harfe. Als Hagen und ich zu Bett gingen, meinte ich zu meinem Gefährten: Wir müssen morgen unbedingt mit Swafrieda sprechen. Ich habe das Gefühl, dass hier einiges anders gelaufen ist, als man es uns erzählt.

***

Am nächsten Morgen weckte uns ein lauter Schrei auf: Dem Balg dreh‘ ich den Hals um!

Hagen und ich standen auf und gingen vors Haus. Frikk, was ist los, fragte Hagen den erzürnten Mann.

Dieses verfluchte Balg! Es hat mir mein Boot gestohlen. Und noch dazu waren die Stockfische, die wir zum Trocknen gelagert haben, letzte Nacht nicht abgedeckt. Firleif, du Taugenichts, wo steckst du? Das wäre deine Aufgabe gewesen.

Ein zitternder Junge tauchte auf: Tschuldigung. Das hatte ich vergessen. Ich hatte Swafrieda mit dem Boot geholfen. Aber die Fremden da, die haben da auch geholfen, das Boot zu stehlen.

Erzähl keinen Blödsinn, fauchte Frikk den Jungen an. Wo finde ich Swafrieda?

Sehr verschreckt antwortete das Kind: Sie will Halgrim verfolgen. Sie hat sich gestern Abend auf dem Weg gemacht.

Das Gör kann was erleben, brummte Frigg und verschwand im Haus.

Ysten, sein Sohn, kam auf uns zu. Ebenso wie sein Vater hatte er ein Muttermal an seiner rechten Wange: Ich fürchte, mein Vater tut etwas Unbedachtes. Swafrieda hatte nur ihre Schwester und ließ sich von ihrer Trauer zu dem Diebstahl hinreißen.

Das befürchte ich auch, meinte Jorid, die Mutter von Firleif. Nach Eldrids Tod ließ ich Swafrieda für ein kleines Zubrot meine Schafe hüten. Deswegen kenne ich sie und ihre Schwester gut. Ich kann nicht glauben, dass Ulfhilda eine Mörderin war. Ich habe Angst, dass Frikk etwas Unbedachtes tut. Bitte folgt ihm und passt auf Swafrieda auf. Ich gebe euch auch zwei Schafe, wenn ihr das Mädchen wohlbehalten wieder hier herbringt.

Wir willigten ein, gingen zurück ins Langhaus und packten unsere Sachen. Dann folgten wir Frikk, der sich vor uns auf den Weg machte.

***

Kurz nachdem wir das Dorf verlassen hatten, kamen wir an dem Köhlerhütte vorbei, in der Ulfhilda gelebt hatte. Sie steht auf einer gerodeten Lichtung im Wald. Am Rand der Lichtung lag die offene Grabstelle. Ich wollte mich dort genauer umsehen und betrat die Hütte.

Die Hütte war nicht sehr groß und bestand nur aus einem Raum. An der Wand stand ein Holztisch. Vor dem Holztisch lag am Boden eine blutgetränkte Axt. Die Holzdielen waren blutig und wiesen Kerben auf. Man könnte meinen, hier wurde etwas zerhackt. An einer Ecke des Tisches konnte ich Blut und Haare entdecken. Es sah aus, als ob jemand mit dem Kopf dagegen geschlagen wurde. Auf der anderen Seite des Raumes stand ein Bett. Dort stand ein mit Decken ausgeleckter Korb, an dem das Amulett einer Eidechse befestigt war. Dies war ein Schutzzeichen der Göttin Tsa für Neugeborene.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ulfhilda ihr Kind umgebracht hat, erzählte ich Hagen, nachdem ich mich in der Hütte umgesehen hatte. Ich hatte nicht den Eindruck, dass es ein ungewünschtes Kind war. Eher hat jemand anderes sie und das Kind umgebracht.

Meint ihr, dieser Halgrim hat die Frau und sein Kind in Borons Hallen geschickt, fragte Hagen.

Es schaut danach aus, antwortete ich. Aber besser wäre es, wenn wir Halgrim finden und ihn befragen. Aber erst müssen wir Swafrieda finden und vor Frikks Zorn schützen.

***

Bald hatten wir Frikk eingeholt. Er war überzeugt, dass Swafrieda auf dem Weg nach Auplog ist. Die Spuren, die er entdeckte, sprachen dafür. Er hatte nichts dagegen, dass wir uns ihm anschlossen.

Nach einer halben Tagesreise erreichten wir die Ortschaft Vilnvad. Eine Bäuerin, die vor einer Brücke Rüben und Holzbirnen verkaufte, hatte Swafrieda gesehen. Vor einer Stunde kam ein Mädchen vorbei, das den Weg nach Phexcaer eingeschlagen hatte.

Noch als wir bei der Bäuerin waren, kamen drei Orks in Menschenkleidung vorbei. Sie fragten die Bäuerin, ob sie einen weiteren Schwarzpelz gesehen hatte. Die Bäuerin verneinte. Hagen wollte wissen, warum sie auf der Suche nach einem anderen Ork waren. Unfreundlich wurde ihm geantwortet, sie würden einen Dieb suchen. Sollten wir ihm finden oder Informationen zu ihm haben, sollten wir uns bei Hauptmann Eisenklauen melden, dessen Lager sich auf dem Bodirsteig in Richtung Phexcaer, etwa drei Stunden entfernt, befand. Es würde auch eine Belohnung geben. Dann zogen sie weiter.

Frikk drängte darauf, dass wir trotz fortgeschrittener Stunde, dem Mädchen weiter folgten sollten. Das war auch in Hagen und meinem Interesse. Nicht, dass Swafrieda noch in die Hände von herumstreifenden Orks gerät.

***

Es war gut, dass wir keine Pause eingelegt hatten. Tatsächlich fanden wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit das Mädchen. Schon aus einiger Entfernung konnten wir ihre und eine männliche Stimme hören. Beide stritten sich laut. Als er die Stimmen hörte, spurtete Frikk sofort los. Wir folgten ihm.

Swafnir stand mit gespannten Bogen mitten auf dem Bodirsteig und zielte auf einen Mann vor ihr, der abwehrend die Hände hob. Der Pfeil ging weit vorbei. Ob das nun absichtlich war, oder daran lag, dass ihre Hände stark zitterten, konnte man nicht sagen. Trotzdem schaffte sie, den Bogen erneut zu spannen, bevor Halgrim sie daran hindern konnte. Sie brüllte ihn an: Du verfluchte Missgeburt hast sie umgebracht! Fahr zu Hranngar! Warum hast du das getan?

Halgrim versuchte, sie zu beruhigen: Es war doch nur ein Unfall! Ulfhilda ist mit dem Kopf gegen die Tischkante gefallen. Ich kann es erklären!

Lügner, Swafrieda glaubte ihn nicht. Ich habe doch gehört, wie du zugeschlagen hast! Ich habe gehört, wie der Kleine geweint hat und plötzlich ganz still war. Du hast beide umgebracht!

Unerschrocken lief Frikk auf Swafrieda zu: Undankbare Kröte, was hast du dir dabei gedacht, meinen Kutter abzufackeln?

Swafrieda riss den Bogen herum und zielte nun auf den Fischer: Verschwinde! Mit dir und deiner Sippschaft rechne ich später ab!

Ungläubig platzte es aus Halgrim heraus: Du hast sein Boot verbrannt? Warum hast du sein Boot verbrannt?

Anstelle des Mädchens antwortete Frikk: Sie hat auf meinem Boot ihre verdammte Schwester verbrannt! Und deinen verdammten Bastard!

Wo wir schon von Bastarden sprechen, frag‘ doch deinem verdammten Sohn nach dem verdammten Bastard, giftete Halgrim zurück.

Was hat Ysten damit zu tun? Ich rede von meinem Boot! Und das soll mir diese Göre ersetzen! Deine Schwester verdient kein ehrenhaftes Begräbnis! Sie ist eine verdammte Kindsmör…

Seinen Satz konnte Frikk nicht mehr beenden. Ihm streifte ein Pfeil an der Wange. Sofort stürzte er sich auf Swafrieda.

Auseinander! Beruhigt euch alle mal, schrie Hagen und riss Frikk von Swafrieda weg.

Halgrim wollte die Gelegenheit zur Flucht nutzen, doch stellte ich mich ihn in den Weg.

***

Da wir uns jetzt alle beruhigt haben, können wir nun unsere Sicht der Dinge austauschen und vielleicht Klarheit schaffen, was wirklich mit Ulfhilda passiert ist. Die wichtigste Regel ist: wir lassen uns alle ausreden. Jeder wird auch zu Wort kommen, erklärte Hagen. Halgrim, fangt an und erzählt uns, wie sich die Dinge zugetragen haben.

Ich muss gestehen, fing Halgrim an, dass ich für den Tod von Ulfhilda und dem Kleinen verantwortlich bin. Aber es war keine Absicht, sondern beides waren Unfälle. Als ich das Kind sah, entdeckte ich dieses Muttermal auf der Wange, das auch Frikk und Ysten haben. Ich wollte sie zur Rede stellen. Dabei wurde ich wütend und habe sie geschubst. Ulfhilda stürzte und schlug mit dem Kopf gegen die Tischkante. Dann fing das Kind zu schreien an. Ich wollte es beruhigen, habe es aber zu sehr geschüttelt. Plötzlich war es still. Aber es war keine Absicht. Ich wollte doch nur, dass das Kind Ruhe gibt. Im Dorf hätte niemand mir geglaubt. Ich habe doch so einen schlechten Ruf bei den Bewohnern. Deswegen bin ich geflohen.

Swafrieda wollte Halgrim während seines Vortrages ins Wort fallen, doch Hagen brachte sie mit einem düsteren Blick zum Schweigen. Danke für eure Schilderung, Halgrim, sprach Hagen. Swafrieda, nun erzähle uns, wie du den Tod deiner Schwester erlebtest.

Unerwartet ruhig erzählte das Mädchen: Halgrim war für einige Tage weg. Als er wieder zurückkam, hielt ich mich in der Nähe des Kohlenmeilers auf. Ich hörte, wie er sich laut mit Ulfhilda stritt. Ich hörte auch, wie es zu Handgreiflichkeiten kam. Dann begann das Kind zu Schreien. Plötzlich war es ruhig. Ich sah, wie Halgrim in den Wald rannte. Ich ging in die Hütte, um nachzusehen, was geschehen ist. Da lagen Ulfhilda und das Kind tot am Boden. Vor Schreck bin ich erst einmal in den Wald gerannt. Ins Dorf kam ich erst zurück, als Ulfhilda bereits begraben war. Dort hörte ich auch, dass Ulfhilda ihr Kind erschlagen hatte. Aber das konnte nicht sein. Außerdem hatte Halgrim kein Blut vergossen. Aber im Dorf sprachen alle von einer zerstückelten Kindsleiche. Ich ging zum Köhlerhaus und grub die Leichen aus ihrem Grab. Da fand ich das zerstückelte Kind. Das musste Ysten gewesen sein. Er wollte sicher verhindern, dass man seine Vaterschaft erkennt. Meiner Schwester wollte ich ein Begräbnis bereiten, wie es in den großen Sagas besungen wird. Also stahl ich mit Firleif das Boot von Frikk. Als Ystens Vater ist er schließlich mitschuldig. Nach der Bestattung wollte ich Halgrim zur Rechenschaft ziehen und danach Ysten vor dem ganzen Dorf bloßstellen.

Nun erzählt uns, wie ihr die Geschichte erlebt habt, forderte Hagen Frikk auf.

Ysten kam ins Dorf und erzählte, dass er am Köhlmeiler die Leichen von Ulfhilda und ihrem Kind gefunden hat. Er behauptete, sie habe erst das Kind und dann sich umgebracht. Ich ging mit einigen Dorfbewohnern sofort zur Hütte. Als wir die Hütte betraten, fanden wir die verstümmelte Kinderleiche neben Ulfhilda und dem blutverschmierten Beil auf dem Boden. Ysten hat ganz sicher nichts damit zu tun.

Und warum war er dann beim Köhlmeiler, fragte ich Frikk.

Hmm, na ja, brummelte Frikk. Aber ich bestehe trotzdem auf Wiedergutmachung für mein Boot.

Und ich fordere, sagte Swafrieda, dass Halgrim eine gerechte Strafe für den Doppelmord erhält und Ulfhildas Ehre wieder hergestellt wird!

Wenn ich einen Vorschlag machen darf, meldete sich Halgrim zu Wort, ich könnte an Swafrieda Thurgold zahlen. Davon kann sie Frikk auszahlen. Das einzige Problem ist, dass ich zwar das Geld besitze, es aber widerrechtlich von einer Gruppe von Orks beschlagnahmt wurde. Gemeinsam mit einem Kameraden haben wir im Auftrag eines Prospektors in Sventall Sternengold geborgen. Dies haben wir letzte Woche nach Vilnvad gebracht, wo die Übergabe stattfinden sollte. Diese hatte sich aber verzögert, deswegen ging ich vor Abschluss des Geschäfts noch weg, um nach Ulfhilda zu schauen, die ja jeden Tag niederkommen sollte. Jetzt wollte ich nach dem Gold schauen, musste aber feststellen, dass mein Kamerad und der Prospektor von goldgierigen Orks gefangen genommen wurden. Sie lagern nicht weit weg von hier. Swafrieda würde von mir 500 Dukaten erhalten. Hagen und Janda, euch würde ich jeweils 100 Dukaten zahlen, wenn ihr mir zu meinem Schatz verhelft.

Das ist eine gute Idee, bestätigte ihn Frikk.

Na gut, meinte Swafrieda etwas widerwillig. Ich merkte, dass sie damit nicht ganz zufrieden war. Ich ging mit ihr ein Stück in den Wald und sprach abseits der Gruppe mit ihr. Sie wollte am liebsten Halgrim, den Mörder ihrer Schwester, tot sehen. Ich versuchte ihr zu erklären, dass dies ihre Schwester auch nicht mehr lebendig macht. Sie hat ihr eine würdige Bestattung verschafft und nun muss sie sehen, dass sie ihr Leben weiterführt. Das Mädchen schien zu verstehen, was ich meinte.

***

Wir beobachten das Orklager. Die Patrouille, die uns in Vilnvad begegnete, gehörte wohl auch zu dem Lager. Tagsüber waren zwei Mannschaften zu je drei Orks unterwegs, um nach dem Dieb zu suchen. Im Lager blieb der Hauptmann mit seinem Mähnenwolf und drei Schwarzpelzen zurück, die Wache hielten.

Wir beschlossen zuerst die Patroulien auszuschalten und danach das Lager zu überfallen, um uns das Gold zu holen. Es ging also auf Orkjagd!

Im Wald lauerten wir den beiden Suchtrupps auf. Diese griffen wir aus dem Hinterhalt heraus an. Sie stellten kein großes Hindernis für uns dar.

Am nächsten Tag stürmten wir das Lager. Dort erwarteten uns drei Orks, der Hauptmann und sein Mähnenwolf. Nachdem die beiden Patroulien vom Vortag nicht zurückgekehrt sind, waren sie schon in Alarmbereitschaft.

Die zahlenmäßige Überzahl der Gegner machte sich bemerkbar. Halgrim und ich mussten einige schwere Treffer einstecken. Hagen wirbelte mit seinen zwei Schwertern wahllos über die Gegner her. Zuerst streckte er seinen Gegner nieder, danach erschlug er den Hauptmann, kam mir zu Hilfe und erschlug meinen Gegner und kurz darauf beendete er das Leben des letzten verbleibenden Orkkriegers und des Mähenwolfes.

In einem Zelt fanden wir drei Gefangene. Halgrims Kollege Bonnaro, der Prospektor Peruzzi und einen Ork. Den Ork versprachen wir am Leben zu lassen, wenn er sofort verschwinden würde. Das Angebot nahm er an. Im Zelt des Hauptmannes fanden wir das Sternengold. Teilweise in Münzen, teilweise in Edelsteine.

Peruzzi schien krank zu sein. Er war ständig am Husten und zitterte am ganzen Leib. Deswegen brachten wir ihn zu einem Heiler nach Vilnad.

***

Am nächsten Tag waren Halgrim und Bonnaro verschwunden. Mit ihnen ein Teil der Beute. Swafrieda war sehr erbost darüber und verfolgte die beiden. Hagen und ich sahen das nicht mehr als unsere Aufgabe an. Wir mussten nach Prem, da wir noch eine Nachricht hatten, auf die der dortige Jarl wartete. In Prem machten wir auch die verbliebenen Edelsteine der Beute zu Gold. Frikk erhielt die Wiedergutmachung für sein Boot und kehrte in sein Dorf zurück. Dort wollte er Ysten auch für seine Tat bestrafen und Ulfhildas Ehre wieder herstellen. Der wiedergenese Peruzzio verzichtete auf seinen Anteil und gab diesen uns, als Belohnung für die Befreiung. Außerdem heuerte er uns als Eskorte für seine Rückreise nach Grangor an.


Janda Frejasdottir

Janda Frejasdottir ist eine Bardin aus Thorwal. Sie war es Leid, nur die Lieder zu singen, die jeder bereits kennt. Deswegen begab sie sich auf eine Reise, um ihre eigenen Abenteuer zu erleben. Unterwegs traf sie auf dem Noriker-Krieger Hagen von Greifenfurt, mit dem sie nun gemeinsam durch Aventurien reist, um Abenteuer zu erleben und neue Lieder zu schreiben.

3 comments on Rache ist Stockfisch

  1. Ich finde es immer wieder schön, wie so Geschichten aus der Sicht der Spieler aussehen. Falls meine Helden nochmal nach Thorwal kommen, steht die Rache auch ihnen entgegen.

    Danke.

    1. Thorwal ist immer eine Reise wert. Das muss ich als Thorwalerin natürlich sagen 🙂 Aber das Abenteuer eignet sich gut, um es auch auf einer Reise zwischen zwei Etappen einzubauen. So kann der Spielleiter gut für Abwechslung unterwegs sorgen.

      Gerne.

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