Kibakadabra

(Ein Heldenwerk-Abenteuer von Dominic Hladek)

Eine Nacht im Dschungel ist schwer zu beschreiben. Sie ist ganz anders, als die Nacht in unseren Wäldern. In unseren Wäldern hört man nur, wie der Wind durch die Baumgipfel pfeift. Eine Nacht im Dschungel aber ist wie ein Konzert. Wie Geigenspieler zirpen Heuschrecken. Bewegungen von Raubtieren, die in der Dunkelheit um mich herumschleichen, lassen die Gräser rasseln. Das flackernde Feuer, vor dem ich meine Nachtwache halte, verhinderte, dass sie auf mich zustürmen. Mit melodischen Klängen singen Vögel dazu. Dazwischen erklingen Paukenschläge, ausgelöst durch Hagens Schnarchen.

Ein Aushang in Vinsalt sorgte dafür, dass wir im Dschungel landeten. Ein Forscher suchte nach Leuten, die ihm auf einer Expedition durch die Wälder im südlichen Teil unseres Kontinents begleiteten. Dort sollten doppelköpfige Schlangen aufgetaucht sein, die man eigentlich nur von dem Kontinent Uthuria kennt. Diesen Gerüchten wollte der Forscher Irigon Zundermann nachgehen. Wir fuhren mit einem Schiff nach Mengbilla. Dort trafen wir auf Irigon. Gemeinsam mit ihm und einer Gruppe von zehn Mohas, die als Führer und Träger fungierten, brachen wir in den wilden Dschungel auf.

***

Zehn Tage waren wir schon unterwegs. Das feuchtwarme Klima war sehr gewöhnungsbedürftig. Von den gesuchten Schlangen fehlte uns noch jede Spur. Wahrscheinlich gab es diese gar nicht. Aber Irigon war sehr hartnäckig bei der Verfolgung seiner Idee. Noch trugen unsere Mohas aber genug Verpflegung mit sich herum, sodass wir noch nicht gezwungen waren, umzukehren.

Plötzlich kam einer der Mohas, der als Kundschafter vorausging, aus dem Dickicht gerannt und sprach aufgeregt auf Irigon ein. Der Forscher übersetzte: ein Waldmensch wird gerade von einem Jaguar angegriffen. Wir sollten ihm helfen. Hagen und ich zogen unsere Waffen und folgten dem Führer. Er kürzte den Weg ab, indem er sich durch das Dickicht quetschte.

Da sahen wir das Raubtier, wie es auf einem am Boden liegenden Mann stand und bedrohlich knurrte. Mit einem lauten Schrei schreckte Hagen den Jaguar auf. Dieser ließ von dem Mann ab und stürzte sich nun auf uns. Hagen zog die Aufmerksamkeit des Tiers auf sich. So konnte ich den Jaguar abstechen.

Der Waldmensch war sehr dankbar, dass wir ihn gerettet hatten. Jedoch war er sehr angeschlagen. Notdürftig verpflegte ich seine Wunden. Dann brachten wir ihn zu unserer Gruppe. Da er noch etwas Ruhe und Erholung brauchte, schlugen wir diesmal etwas früher unsere Lager auf. Irigon, der die Sprache der Waldmenschen beherrschte, unterhielt sich mit Geretteten.

Freudestrahlend kam Irigon nach dem Gespräch zu uns: Der Mann war ein Glücksfund! Yako, so heißt der Mann, hat die zweiköpfigen Schlangen gesehen. Er weiß auch, wo die herstammen. Sein Volk lebt am Schlangenfelsen. Aus dem Schlund des Felsen kommen diese hervorgekrochen. Morgen bringt er uns dorthin.

***

Das Volk von Yako ist Jahre lang durch den Dschungel gewandert. Eines Tages kamen sie zu einem Felsen, der Ähnlichkeiten mit dem Kopf einer Schlange hat. Der Schamane Takate erkannte in dem Kopf die heilige Schlange, die von seinem Stamm als Gottheit verehrt wird. Das Volk ließ sich an dem Felsen nieder und wurde sesshaft dort. Um den Schlangenkopf milde zu stimmen, beschloss Takate, dass jeden Monat ein Menschenopfer gebracht werden musste. Dieses wurde in den Schlund der Schlange hinabgestoßen.

Yako führte uns am nächsten Tag zu seinem Stamm. Als er dort von seiner Rettung erzählte, feierten sie uns zu Ehren ein kleines Fest. Takate, der Schamane, ließ sich dort nicht blicken. Von Irigons Plan in den Schlangenkopf hinabzusteigen, waren sie nicht sehr begeistert. Noch nie ist jemand wieder davon zurückgekehrt. Nur eine sehr voluminöse Frau mit krausem Haar zeigte sich von dem Vorhaben begeistert. Ihr Name war Kalimba und die begehrteste Frau des Stammes. Sie erzählte Irigon, dass ihr Freund, der starke Krieger, Wapiya vor kurzem von dem Schamanen dazu aufgefordert wurde, in den Schlangenkopffels zu gehen. Zwar war sie stolz, dass er sich opfert, doch befürchtet sich auch, dass Takate ihn in den Schlangenfelsen schickte, weil er sich von Kalimba angezogen fühlte und Wapiya loswerden wollte. Sie vermisste Wapiya so sehr und würde sich wünschen, dass wir ihm im Schlangenfelsen finden und wieder zu ihr bringen. Sie ist sich sicher, dass die Götter uns schickten, um sie wieder mit ihrem Liebsten zu vereinen.

Irigon wollte unbedingt in den Schlund des Schlangenfelsens hinab. Er wollte den Ursprung der doppelköpfigen Schlangen, von denen wir immer noch keine gesehen hatten, erforschen. Hagen und mir war unwohl dabei, in den Schlangenfelsen hinabzusteigen. Immerhin ist noch niemand von dort zurückgekehrt. Letztendlich überwog aber bei Hagen seine Prinzipientreue gegenüber seinem Auftraggeber Irigon, den er nicht in Stich lassen wollte. Ich räumte auch meine Zweifel zur Seite. Wenn man auf der Suche nach Inspiration für Heldenlieder ist, darf man nicht davor zurückschrecken, Risiken einzugehen. Außerdem wollte ich meinen Hagen nicht alleine lassen. Sonst würde es mir eines Tages so gehen wie Kalimba. Unsere Mohakundschafter weigerten aber uns zu folgen. Sie würden bei den Waldmenschen auf uns warten.

***

Am nächsten Tag führten uns die Waldmenschen zum Schlangenfelsen. Der Brocken erinnerte tatsächlich entfernt an den Kopf einer Schlange. Ein gewaltiger, wie ein Rad geformter, Stein versperrte den Zugang zum Schlund. Fünf kräftig gebaute Waldmenschen rollten diesen für uns zur Seite. Irigon wollte zuerst hinab steigen, doch Hagen hielt ihn zurück. Er warf einen Blick hinunter. Da alles finster war, zündete er eine Fackel an und stieg dann den steil abwärts führenden Gang hinab. Ich gab Irigon eine brennende Fackel in die Hand. Er folgte Hagen. Ich stieg als letztes hinab. Hinter uns wurde der Stein wieder vor die Öffnung gerollt. Hoffentlich gab es noch einen anderen Ausweg aus der Höhle.

***

Der Abstieg erwies sich als nicht so einfach. Der Boden unter unseren Füßen war sehr rutschig. Hagen schien den Halt zu verlieren, konnte aber dann doch noch das Gleichgewicht behalten. Wir erreichten eine kleine Höhle. Bis zu den Knien standen wir im Wasser. Der Boden war gefüllt mit Schlamm und Unrat. Im Unrat steckten Knochen von Tieren oder auch von Menschen, die dem Schlangengott geopfert wurden. Hagen stocherte mit seinem Schwert in dem Unrat herum. Wir fanden Schmuck, wohl von den Toten, und eine versiegelte Tonflasche. Wir packten die Sache alle ein. Dann folgten wir einem gewundenen Gang.

Dieser führte uns in eine lange verwinkelte Höhle. Ein unheimlicher Wind pfiff hier durch. Es klang wie das Stöhnen der verlorenen Seelen aus Borons Hallen. Als wir uns umsahen, entdeckten wir den Grund des Pfeifens. Durch kleine Luftlöcher drang der Wind durch. Beinahe wurde Irigon von herabstürzenden Felsbrocken erschlagen. Er konnte noch rechtzeitig ausweichen.  Offensichtlich hatte der Wind die Felsen von der Decke gelöst. Bevor noch jemand Schaden nimmt, verließen wir die Höhle.

Davon ausgehend, daß wir uns im Körper einer Schlange befanden, bezeichnete Irigon die vorherige Höhle als Lunge. Die jetzige Höhle war dann wohl die Herzkammer. Die Wände wiesen bizarre Verformungen auf, wirkten recht organisch, waren aber versteinert. Die Durchgänge und Torbögen, durch die wir uns in dieser Höhle bewegten, erinnerten auch durch ihre Form an Löcher in einer Herzkammer. Zumindest behauptete unser Gelehrter Irigon dies. Auf dem verschlammten Boden lagen kopfgroße Steine, die die Form von Eiern hatten. Hagen hob eines dieser Eier hoch und warf es mit Wucht auf den Boden. Es war aus Stein. Es blieb ganz. Irigon steckte zwei dieser Eier in seinen Rucksack, wohl um sie später genauer zu untersuchen.

Im Schlamm entdeckte ich eine Obsidianscherbe. Ich zog sie raus und säuberte sie. Als ich hinein sah, zuckte ich zusammen. Das Gesicht einer dunkelhaarigen Frau sah mich an. Hallo, grüßte sie mich. Ich drehte mich um und sah nach hinten. Niemand war da. Als ich wieder in die Scheibe blickte, sah sie mir wieder entgegen.

Huch, wer bist du? – Man nannte mich Wairua. Mein Stamm hat mich dem Schlangengott Uguan geopfert. Nun wird mir der Zugang zu den Ewigen Hallen verwehrt, da ich bei meiner Mission versagt habe und Uguan keine Ehre erweisen konnte. – Was war eure Mission? – Mich haben Echsenwesen getötet. Ich hätte sie auslöschen sollen. Ich will Rache. Ich muss sie alle töten. Nur so bekomme ich Zugang zu den Ewigen Hallen.

Mit wem sprecht ihr, fragte Hagen. Mit dem Geist einer toten Kriegerin, antwortete ich. Ich hielt ihm die Osidianscheibe hin, damit auch er Wairua sehen konnte. Er sah aber nichts. Ich blickte wieder auf die Scheibe, sah aber auch nichts. Hoffentlich verlieren hier nicht wir alle unserem Verstand, brummte Hagen, bevor wir weitergingen.

***

Wir folgten einen langen gekrümmten Gang. Das Wasser stand uns bis zu den Knien. Am Ende des Ganges waren fünf menschenähnliche Gestalten. Als wir uns näherten, erkannten wir Echsenmenschen. Mit ihren Speeren stachen sie auf dem Boden ein. Wahrscheinlich versuchten sie Fische zu fangen. Als sie uns bemerkten, griffen sie uns an. Irigon hielt sich im Hintergrund. Hagen kämpfte gegen die Echsenwesen mit seinem Schwert und einer Fackel in der Hand. Ich zog mein Florett, um mich gegen sie zu wehren. Plötzlich bröckelten Steine von der Decke und begruben eine der Echsen unter sich. Die Echsen schienen Hagen als größere Bedrohung anzusehen und griffen gemeinsam den Krieger an. Er wehrte sich tapfer und mit Feuer und Schwert konnte er drei der Schuppenwesen niederstrecken. Ein weiterer Steinschlag und mein Florett kamen ihm zur Hilfe.

Wir sollten hier schleunigst verschwinden, meinte Hagen. Ihr habt recht, pflichtete Irigon ihm bei. Sonst werden wir noch Opfer dieser instabilen Höhlendecke. Ich hatte eine andere Idee, wer für die uns hilfreichen Steinbrocken verantwortlich war. Doch ich schwieg, bevor man wieder meinen Geisteszustand anzweifelte.

***

Ein langer geschwungener Gang führte uns abwärts. Die Höhle, in die wir nun kamen, hatte raue Wände. An den Wänden und der Decke war ein Relief ausgearbeitet. Aber wir hatten keine Zeit uns das Relief genauer anzusehen. Wir wurden von fünf Echsenwesen mit ihren Speeren angegriffen. Irigon hielt sich wieder im Hintergrund und überließ uns das Kämpfen. Diesmal flogen die Steinbrocken nicht von oben auf die Echsen herab, sondern kamen seitlich angeflogen. Die Reptilien lieferten uns einen harten Kampf, doch mithilfe unseres unsichtbaren Verbündeten konnten wir sie bezwingen. Doch Hagen musste einiges an Schaden einstecken.

Hagen war erstaunt über die Flugrichtung der Steine. Ich sagte euch doch, dass wir einen Geist als Verbündeten haben, erwiderte ich darauf.

Jetzt hatten wir genug Zeit uns das Relief in der Höhle genauer anzusehen. Es stellte eine Riesenschlange unter der Knute von mächtigen dargestellten Echsenmenschen dar, die kleine doppelköpfige Schlangen ausspuckte. Winzig und schwach dargestellte Menschen griffen die Riesenschlange mit ihren Speeren an. Dies schien aber wirkungslos zu sein. Im schwachen Licht der Fackeln malte Irigon das Relief in seinem Notizbuch nach.

Wir befanden uns wohl in einem heiligen Raum der Echsen. Hier konnten wir einige wertvolle Gegenstände, kleine Elfenbeinstatuetten, aus Silber gefertigte Kunstgegenstände und Ritualgegenstände entdecken. Wir füllten unsere Rucksäcke damit. Wäre schade, die Kostbarkeiten hier verkommen zu lassen. Neben den Schätzen fanden wir noch einen Eisenschlüssel und ein altes Knochenzepter, versehen mit Metallbeschlägen.  Das eine Ende des Zepters war spitz, das andere stumpf.

Da Hagen etwas angeschlagen war, beschlossen wir eine Rast in dem heiligen Raum einzulegen. Ich kümmerte mich um Hagens Wunden. Ihr habt toll gekämpft, wie ein Löwe, lobte ich meinen Gefährten. Das ist mein Handwerk, erwiderte er bescheidend, aber mich anlächelnd. Während ich seine Wunden versorgte, blieben meine Hände an manchen Stellen seines Körpers länger als notwendig und berührte auch einige Stellen, an denen meine Hände nichts verloren hatten. Ich beugte mich vor und hauchte ihm ins Ohr: Wenn ihr in der Nähe seid, fühle ich mich sicher.

***

Ich hielt mich etwas abseits von meinen Gefährten auf, um die Obsidianscheibe wieder hervorzuholen. Danke für deine Hilfe, sagte ich zur Scheibe.

Kurz darauf erschien Wairuas Gesicht: Ich habe zu danken. Ihr helft mir dabei, diese schrecklichen Echsen auszumerzen. Erst wenn sie alle tot sind, kann ich meine Ruhe finden.

Woher wisst ihr, dass alle tot sind?

Das werde ich spüren. Doch verratet mir, was sucht ihr hier? Seid ihr auch geopfert worden?

Nein, wir sind freiwillig hier. Wir suchen zwei Dinge. Eigentlich drei. Einer meiner Gefährten will die doppelköpfigen Schlangen erforschen und sucht diese hier. Außerdem suchen wir im Auftrag einer Frau ihren Verlobten. Wenn wir beides erledigt haben, suchen wir den Ausgang. Gibt es überhaupt einen Ausgang?

Ja, den gibt es. Ich werde den euch zeigen, wenn ihr mir geholfen habt, alle Echsen umzubringen.

Mit diesen Worten verschwand Wairua. Ich versuchte nun auch etwas zu schlafen. Hagen war schon lange eingeschlafen und schnarchte fest vor sich hin. Aber diesmal störte es mich nicht. Sein Schnarchen wirkte auf mich beruhigend. Ihm in meiner Nähe wissen, ließ mich ruhig schlafen.

***

Nachdem wir alle wieder wach waren, hatte Irigon etwas zu verkünden: Das Relief hier ist ein großartiger Fund. Es hat mir die Augen geöffnet. Das hier war vor vielen, vielen Jahren eine echte Schlange. Vielleicht auch eine Zweiköpfige. Irgendwann wurde diese versteinert. Wir bewegen uns nun in ihrem Inneren. Die kleinen zweiköpfigen Schlangen entstehen hier drinnen. Irgendwo muss ein Nest sein. Das müssen wir finden und ausräuchern. Dadurch werden wir Herr über die Plage. Danach müssen wir den zweiten Kopf der Schlange finden. Da ist vermutlich der Ausgang.

***

Wir landeten in einem Labyrinth aus dünnen Steinwänden. Laut Irigon war dies der Darm der Schlange. Überall im Labyrinth waren Statuen von Echsenkriegern aufgestellt, entweder frei stehend oder aber auch in die Wände als Relief gehauen. Ich fragte mich, ob wir die auch zerstören mussten, um Wairua zu helfen. Aber das könnte sie sicher alleine. Einige der Statuen hielten auch Dinge in der Hand, entweder offen oder fest umschlossen. Hauptsächlich Waffen und Kräuter. Wir irrten durch die Darmwindungen und endeten in einer Sackgasse. Hagen stellte fest, daß die Wand aber auch sehr dünn war und versuchte diese mit dem Knauf seines Schwertes einzuschlagen. Doch die Wand hielt stand. Mist, ich dachte, dies wäre eine gute Idee, grummelte Hagen. Als er sich von der Wand wegdrehte, fing die Wand plötzlich das Bröseln an und löste sich auf. Hagen und Irigon sahen sich erstaunt an. Ich sagte nur leise: Danke, Wairua!

Durch den Durchgang konnten wir den nächsten Raum der Höhle erreichen. Dieser sah aus, als würde er bewohnt sein. Von den Anwohnern fehlte aber jede Spur. Vielleicht war es auch der Unterschlupf von Wapiya? Jedenfalls sammelten wir die Waffen, die wir dort fanden ein. Vielleicht konnten sie uns nützlich werden. Es gab auch eine verschlossene Truhe. Hagen probierte sich mit seinem Messer daran, diese zu öffnen. Doch sein Messer zerbrach. Frauen sind bei Handarbeiten geschickter, lächelte ich ihn an und versuchte daraufhin mein Glück mit der Truhe. Es war tatsächlich so. Sie ließ sich öffnen. Wer auch immer in dieser Hölle hauste, hatte einen großen Schatz eingesammelt: Goldklumpen, kleine Statuen, Ketten, Armreife, Ringe und Edelsteine. Diesen Schatz ließen wir natürlich nicht in der Truhe liegen.

***

Als wir wieder den Darm der Schlange betraten, fielen plötzlich sämtliche Zwischenwände und Statuen in sich zusammen. Übrig blieb nur eine Statue. Die zerfallenen Zwischenwände gaben den Blick auf einen dunkelhäutigen Menschen, im Lendenschurz und mit einem Speer bewaffnet, frei. Als dieser uns sah, erhob er seinen Speer und rannte laut brüllend auf uns zu. Während Hagen und ich unsere Waffen zogen, rief Irigon geistesgegenwärtig seinen Namen: Wapiya! Das reichte. Verdutzt brach der Waldmensch den Angriff ab und sagte etwas in einer Sprache, die wir nicht verstanden. Außer Irigon. Sie begannen sich zu unterhalten. Wir hörten, dass Kalimba erwähnt wurde. Anscheinend erklärte Irigon, dass wir ihn in ihren Auftrag suchten. Am Ende ihres Gespräches meinte Irigon zu uns, dass Wapiya uns nun folgen würde.

Wir sahen uns noch die übrig gebliebene Statue an. Es war ein Echsenkrieger. In seiner Hand hielt er ein pulsierendes grünes Herz. Eine Stimme drang durch meinen Kopf: Berühre es mit dem Zepter. Ich nahm das Knochenzepter und berührte damit das Herz. Es verwandelte sich in einen Steinklumpen. Als das auch nur noch aus Stein war, zersplitterte auch die Statue. Ein für alle hörbares Danke klang durch den Raum. Drei von vier Personen sahen sich erstaunt um, konnten aber niemanden sehen.

***

Ein Windstoß ging durch die Halle, die einst der Darm der Schlange war. Dieser Windstoß erfasste die Steinsplitter, die am Boden lagen und wehten diese durch einen Ausgang. Wir folgten den Luftstoß. Dieser führte uns in eine Höhle, in deren Mitte ein großes Geflecht, ähnlich dem Wurzelwerk eines Baumes, stand. Das Wasser stand uns hier wieder bis zu den Knien. Wir konnten beobachten, wie ein kleiner Käfer durch das Wasser auf die Wurzel zu schwamm. Als der Käfer mit den Wurzeln in Bewegung kam, fing die Wurzel an zu glühen und es rutschte eine kleine zweiköpfige Schlange hervor. Irigon fing an vor Verzückung zu schreien. Endlich hatte man sie entdeckt. Gleichzeitig haben wir auch ihren Lebensquell gefunden. Diesen galt es zu zerstören. Mit einem Schlag zerschmetterte Hagen die Schlange. Das Blut spritzte hoch, landete auf die Wurzel und diese erschuf gleich wieder eine neue Schlange. Irigon, Wapiya und ich schlugen auf die Wurzel ein, um diese zu zerstören. Leider zeigte das Knochenzepter diesmal keine so starke Wirkung wie beim grünen Herzen. Immer wieder, wenn Hagen eine Schlange umbrachte, spritzte Blut auf die Wurzel und es wurde eine neue geschaffen. Wie wild schlugen wir auf die Wurzel ein. Das Holz splitterte in alle Richtungen ab. Doch immer wieder glühte sie auf und erschuf neue Wesen. Doch diese überlebten meist die Hiebe von Hagen nicht. Zwei oder drei Mal wurde Hagen von einer der Schlangen gebissen, doch die Bisse zeigten kaum Wirkung an ihm. Endlich hatten wir die Wurzel zu Kleinholz verarbeitet. Die Holzstücke trieben wie die toten Schlangen im Wasser herum. Irigon sammelte die toten Schlangen und auch einige Stücke der Wurzel ein. Danach verließen wir die Höhle.

***

Immer noch wirbelten Steinchen in der Luft. Wir folgten den uns gewiesenen Weg. Nach einigen Biegungen kamen wir zu einer überfluteten Höhle. Am anderen Ende der Höhle war Tageslicht zu sehen. Meine Gefährten waten durch das Wasser. Ich holte noch einmal die Obsidianscheibe heraus. Ich wollte mich von Wairua verabschieden. Aber der Geist zeigte sich mir nicht mehr. Ich ließ die Scheibe zurück und bewegte mich durch das Wasser, das mir bis zur Schulter ging.

Wir verließen die Schlange an einem kleinen See. Als wir das Ufer erreichten, drehte ich mich noch einmal um. Ein Felsbrocken ragte über den See, der einem Schlangenkopf ähnelte. Wapiya führte uns zurück zu seinem Dorf.

***

Die Waldmenschen feierten unsere Rückkehr. Sie waren völlig außer Häuschen, dass es Wapiya und auch wir lebend aus der Schlange herausschafften. Auch Kalimba war sehr glücklich. Takate sprach von Götterlästerung und forderte die Waldmenschen auf, Wapiya und uns anzugreifen. Doch sie widersetzten sich dem Befehl des Schamanens, vertrieben ihn aus ihrem Dorf und ernannten Wapiya zu ihrem neuen Häuptling. Irigon beschloss, bei den Waldmenschen zu bleiben. Er wollte ihre Kultur erforschen. Irigon wurde danach nie wieder gesehen. Hagen und ich kehrten mit den Mohakundschaftern nach Mengbilla zurück. Zwar bekamen wir keine Belohnung von Irigon für unsere Arbeit ausgezahlt, da er im Dschungel blieb, aber wir haben in der versteinerten Schlange genug Wertgegenstände gefunden, deren Veräußerung unseren ausgehandelten Sold bei weitem überstieg. Meint ihr immer noch, ich habe meinen Verstand verloren, fragte ich Hagen, als wir abends bei einem kühlen Bier in der Taverne zusammen saßen. Nein, natürlich nicht, entschuldigte sich der Noriker-Krieger. Doch, ich glaub schon, widersprach ich ihm. Sonst würde ich auch wohl nicht von der Seite weichen. Ich setzte mich auf seinen Schoß, legte meine Arme um ihn und küsste ihn leidenschaftlich.


Golgolgol

Golgolgol heißt im wirklichen Leben Stefan Will. Mitte der 80er Jahre schenkte ihm sein großer Bruder seine DSA-Box, da er lieber D&D spielte. Während seiner gesamten Schulzeit war Stefan begeisteter Rollenspieler und probierte verschiedene Systeme aus. Nach der Schulzeit ebbte das Interesse am Rollenspiel-Hobby ab. Nach einer langen Pause fand er 2020 das Interesse an Pen&Paper wieder. Da er es von früher gut kannte, begann er wieder mit DSA, auch wenn er über die Veränderungen im Lauf der Jahre sehr erstaunt war. Mit einem Mitspieler erfand er die Stadt Norisburg, die zur Heimat ihrer Spielfiguren werden sollte. Hier im Blog berichtet Stefan von Spielrunden und teilt seine Gedanken zu P&P-Themen mit.

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