Die Welt der Abenteuerspielbücher

Für viele waren sie der Einstieg in das Rollenspielhobby: Der Hexenmeister vom Flammenden Berg, Die Zitadelle des Zauberers, die Einsame Wolf-Serie oder die D&D Abenteuer ohne Ende-Bücher. Gerade in den 1980er Jahren waren die Abenteuerspielbücher sehr beliebt. Hatte man mal Lust auf ein Fantasy-Abenteuer und es waren keine Mitspieler für eine Rollenspielrunde greifbar, konnte man auf die meist sehr unterhaltsamen Bücher zurückgreifen.

Der Mechanismus hinter den Abenteuerspielbüchern ist relativ einfach. Neben dem Buch benötigt man noch Papier, einen Bleistift und auch einen oder zwei Würfel. Sollte man keine Würfel zur Hand haben, bieten manche Spielbücher eine Alternativlösung an: bei einigen schlägt man eine zufällige Seite im Buch auf und orientiert sich auf die unten aufgedruckten Würfel oder es gibt eine Zahlentabelle, auf die man blind tippen kann. Die Bücher beginnen mit einem erklärenden Text, der einem die Regelmechanismen erläutert. Bei einigen Bücher gibt es kaum welche, andere sind schon stärker an Rollenspiele angelehnt und haben mehr Regeln. Danach startet das Abenteuer. Nach dem Lesen eines der Situation beschreibenden Textabschnittes erhält man verschiedene Auswahlmöglichkeiten, die einen zum Fortgang der Geschichte weiterführt. Dort wird das gleiche Prinzip wiederholt. Anfang der 1990er ebbte auf dem deutschen Markt das Interesse an den Büchern leider ab und es wurden kaum noch welche veröffentlicht.

Die Spielbücher staubten in der Mottenkiste vor sich hin, bis der Retro-Boom dafür sorgte, dass neben den Pixel-Computerspielen auch die interaktiven Bücher wieder auftauchten. Gerade der Mantikore-Verlag tat sich mit einem umfangreichen Portfolio an Abenteuerspielbüchern hervor. Derzeit entdecke ich die Welt des Einsamen Wolfes wieder. Die Serie bereitete mir früher viel Freude und auch die Neuauflage kann mich begeistern. Im Nostalgie-Wahn bekam ich Lust andere Klassiker wieder zu spielen, wie die Jackson/Livingston Fighting Fantasy-Bücher oder Das große Nibelungen-Spielbuch. Aber inzwischen sind auch andere interessante Serien erschienen, auf die ich sicher mal einen Blick werfen werde. Diese heben sich vor allem durch eigene Spielmechanismen von den Klassikern ab.

Von Destiny Quest gibt es derzeit zwei Bände auf Deutsch. Bei den umfangreichen Bänden muss man verschiedene Aufgaben unterschiedlichen Schwierigkeitsgrads lösen, um an sein Ziel zu kommen. Die Geschichten der beiden Bände sind voneinander unabhängig und bauen nicht aufeinander auf.

Die Solo-Abenteuer von DSA5 möchte ich bei einer Auflistung von Abenteuerspielbücher nicht unerwähnt lassen. Zwar gehören diese zum Rollenspiel “Das Schwarze Auge”, doch sind sie komplett ohne das Grundregelwerk spielbar. Alles, was man an Regeln braucht, wird an entsprechender Stelle erklärt. Ein spielbarer Held für das Abenteuer liegt auch bei. Man benötigt nur die entsprechenden Würfel. Auch gut geeignet zum (Wieder)Einstieg beim Schwarzen Auge.

Einsamer Wolf ist einer der Klassiker der Abenteuerspielbücher. Man schlüpft in die Rolle eines Kai-Mönches. Die 20teilige Serie beginnt damit, dass die Abtei der Kai-Mönche bei einem dämonischen Angriff des Schwarzen Lords vollständig zerstört wird. Der Einsame Wolf ist der letzte Überlebende der Kai-Mönche und schwört Rache für dieses grausame Massaker. Bei jedem Buch dieser Serie muss man sich neuen tödlichen Herausforderungen stellen.

Fabled Lands ist die Neuauflage der Harkuna-Reihe von Dave Morris und Jamie Thompson. Je zwei Bücher der alten Reihe sind in einem Sammelband zusammengefügt worden. So gibt es gleich beim Einstieg eine riesige Welt zum Erkunden. Der Unterschied zu anderen Spielbüchern besteht darin, dass es keine lineare Story gibt. Der Spieler kann sich völlig frei bewegen und entscheidet selbst, welche Aufgaben und Ziele er verfolgt. Er kann ein ehrbarer Bürger werden, ein geldgieriger Händler oder sich bösartigen Kultisten anschließen. Es gibt kein offizielles Spielende, außer der Charakter stirbt.

Metal Heroes and the Fate of Rock spielt in einem völlig anderen Genre. Man schlüpft in die Rolle eines erfolglosen Großstadtmusikers, der völlig unerwartet von einem amtsmüden Rockgott als Nachfolger ins Spiel gebracht wird. Nun muss man seine Olymp-tauglich beweisen, indem man eine talent- und perspektivlose Garagenband zum größten Metal-Act des Planeten aufbaut und nebenbei die Welt rettet. Metal Heroes and the Fate of Rock ist voller Fettnäpfchen, Klischess und Berühmtheiten, die die Rockszene zu bieten hat. Mit einem ordentlichen Schuss Humor und verbaler Härte gilt es, das etwas andere Spielbuch zu meistern.

Reiter der schwarzen Sonne von Swen Harder wurde mit dem Jury-Preis der RPC Fantasy Awards 2013 und dem Deutschen Rollenspielpreis 2014 ausgezeichnet. Mit mehr als 1300 Spielabschnitten zählt es zu den umfangreichsten Abenteuerspielbüchern. In der Rolle von Ugarith, einem Meister der Nacht, erwacht man nach Ausübung einer Bluttat ohne Erinnerung. Geächtet und verfolgt muss man fortan den Weg in die Freiheit erkämpfen, seine über­menschlichen Kräfte ergründen, um schließlich seine heilige Pflicht, die Begradigung des Weltenflusses, zu erfüllen. Das Buch besticht mit einem innovativen Regelsystem, geschickt eingebauten Rätseln, einer neuartigen Speicherfunktion und einer übersichtlichen Kapitelstruktur.

Wie sind eure Erfahrungen mit Abenteuerspielbüchern? Habt ihr diese früher auch gerne gespielt oder spielt diese immer noch? Könnt ihr sogar welche von den neueren empfehlen? Gerne könnt ihr mir eure Erfahrungen in den Kommentaren mitteilen.


Golgolgol

Golgolgol heißt im wirklichen Leben Stefan Will. Mitte der 80er Jahre schenkte ihm sein großer Bruder seine DSA-Box, da er lieber D&D spielte. Während seiner gesamten Schulzeit war Stefan begeisteter Rollenspieler und probierte verschiedene Systeme aus. Nach der Schulzeit ebbte das Interesse am Rollenspiel-Hobby ab. Nach einer langen Pause fand er 2020 das Interesse an Pen&Paper wieder. Da er es von früher gut kannte, begann er wieder mit DSA, auch wenn er über die Veränderungen im Lauf der Jahre sehr erstaunt war. Mit einem Mitspieler erfand er die Stadt Norisburg, die zur Heimat ihrer Spielfiguren werden sollte. Hier im Blog berichtet Stefan von Spielrunden und teilt seine Gedanken zu P&P-Themen mit.

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